Zwei Jahre lang habe ich die Auswirkungen der Corona-Pandemie berichtet, dabei mit vielen Forschenden über das Virus und die Auswirkungen der Erkrankung gesprochen, selbst einen inzwischen umfangreichen Datensatz angelegt und daraus täglich Erkenntnisse ziehen können. Darüber hinaus musste ich in meiner Familie mit ansehen, was das Virus im Körper auslösen kann, wenn dieser nicht vorbereitet ist. Wie Corona nach und nach heimtückisch die Zellen zerstört bis nichts mehr übrig bleibt. Denn Covid-19 ist vielmehr eine Zell- als nur eine Atemwegserkrankung. Auch aufgrund der vielen Informationen aus praktisch erster Hand war ich in den vergangenen 26 Monaten sehr achtsam und zurückhaltend, habe versucht mich und alle Verbliebenen in meiner Familie zu schützen.
Jetzt hat mich Corona trotzdem erwischt, auf einem Weg, bei dem Achtsamkeit und Eigenverantwortung nicht helfen. Auch noch im Mai 2022 brachte ein Ausbruch in der Klasse eines meiner Kinder das Virus zu uns nach Hause. Erst waren die Banknachbarn positiv, zwei Tage später mein Kind und nochmal zwei Tage später ich selbst. Nur wenige Stunden nach dem positivem Schnelltest zeigten sich schon einige der Covid-19-Symptome, über die ich bis dahin regelmäßig berichtete. Vor allem Dank der drei Schutz-Impfungen blieb es letztlich beim sogenannten milden Verlauf. Aber auch auf diesen hätte ich gern verzichtet.
Es begann mit starke Halsschmerzen, laufender Nase, Kopf- und Gliederschmerzen sowie dem Gefühl, unter schweren Gewichten zu liegen. Atmen wurde schwer, jeder Zug eine bewusst zu bewältigend Körperbewegung. Die Symptome steigerten sich innerhalb der kommenden vier Tage. Letztlich konnte ich nicht mehr schlucken oder sprechen, nur noch liegen und auf Besserung hoffen. Jede Bewegung war herausfordernd. Vor allem nachts. Gleichzeitig bildete ich mir ein, ich könnte spüren, wie mein Körper die Gegenoffensive übernimmt. Tagelang anhaltend Schüttelfrost – obgleich kein Fieber. Schweißausbrüche und Gliederschmerzen of Hell. D-Day der Puppschen Mikrobiologie, unterstützt von den Waffen der frei verkäuflichen Apotheken-Pharmazie. (3 x täglich Ibu, 6x Paracetamol).
Nach vier Tagen war das Gröbste zum Glück überstanden. Atmen wurde leichter, das Brennen in Hals und Kopf wurde allmählich milder. Länger blieb das Gefühl, unter Gewichten zu liegen. Jetzt, 14 Tage nach Beginn der Symptome, nervt es vor allem noch, dass ich mich permanent hinsetzen muss, um kurz zu verschnaufen.
Anderen geht es aber viel schlimmer! Ich weiß durch Recherchen und aus dem privaten Umfeld von vielen (10 % aller Covid-19-Betroffnenen), die noch Wochen/Monate später jeden Tag zu kämpfen haben, die nicht arbeiten oder lernen können, die ihren Alltag nur mit Mühe bestreiten.
Warum ich das aufgeschrieben habe? Nicht für Mitleid, sondern weil mich die Ignoranz noch immer nervt, mit der viele insbesondere in der sächsischen Gesellschaft Covid-19 trivialisieren. Da ist die persönliche Freiheit, im Supermarkt, im Theater oder in der Bahn jede*n ohne „Lappen“ anhusten und anstecken zu können einfach wichtiger, als die gesamtgesellschaftliche Verantwortung den Mitmenschen gegenüber für die auch Omikron noch immer gesundheitliche Gefahren birgt. Heute am 7. Juni 2022 sind in Sachsen 11 Menschen infolge einer Corona-Infektion gestorben. Seit Beginn der „milden“ Omikron-Wellen sind noch einmal 2500 Opfer allein in diesem Bundesland dazu gekommen.
Mag sein, dass Covid-19 für viele nur eine leichte Erkältung ist. Ich gehöre nicht zu vulnerablen Gruppen, habe keine Vorerkrankungen und laufe die 100 Meter noch immer unter zwei Minuten. Und trotzdem hat mich das Virus so ausgeknocked, wie seit Jahren nichts anderes. Wünsche das niemandem.